Fermentierte Hautpflege: Was Bifida und Galactomyces bedeuten

Fermentation auf dem Etikett verstehen: Was Bifida und Galactomyces verraten, wie sich Essence und Creme unterscheiden und was das Mikrobiomversprechen offenlässt.

Fermentierte Hautpflege: Was Bifida und Galactomyces bedeuten

Fermentierte Hautpflege: Was Bifida und Galactomyces bedeuten

„Bifida Ferment Extract“ liest sich auf einer Flasche zunächst wie ein Name, den man lieber überspringt. Ein paar Zeilen weiter steht vielleicht noch „Galactomyces Ferment Filtrate“. Dabei verraten diese Begriffe durchaus etwas Hilfreiches: wo eine Zutat herkommt und wie sie verarbeitet wurde.

Du musst die Namen nicht auswendig lernen. Für die Auswahl reicht es, einige Wortteile wiederzuerkennen und anschließend auf das ganze Produkt zu schauen. Eine wässrige Essence mit einem Ferment und eine reichhaltige Creme mit mehreren Fermenten können schließlich ganz unterschiedliche Pflegewünsche erfüllen.

Was bedeutet fermentiert bei Kosmetik?

Bei einer Fermentation verändern Mikroorganismen wie Bakterien oder Hefen ein Ausgangsmaterial durch ihre Stoffwechselprozesse. Welche Bestandteile dabei entstehen, hängt unter anderem vom Ausgangsmaterial, den eingesetzten Mikroorganismen und der Verarbeitung ab. Aus diesem Prozess können Zutaten für Kosmetik gewonnen werden.

Der vertraute Küchenbegriff hilft beim Einstieg, aber eine Essence ist kein flüssiges Lebensmittel für die Haut. Kosmetische Fermentzutaten werden für eine Rezeptur verarbeitet und mit anderen Bestandteilen kombiniert. Ob das fertige Produkt lebende Mikroorganismen enthält, kann man aus dem Wort „fermentiert“ nicht ablesen. Die wissenschaftliche Fachgesellschaft ISAPP trennt deshalb Fermentation und Probiotika ausdrücklich voneinander. ISAPP: Begriffe rund um Fermentation und Biotika

Auch die häufige Vorstellung, alles Fermentierte müsse besser oder tiefer in die Haut gelangen, hilft bei der Auswahl wenig. Dafür müsste das konkrete Produkt mit einer passenden Vergleichsrezeptur untersucht werden. Der Herstellungsschritt allein ist kein universelles Leistungsversprechen.

Bifida, Galactomyces, Filtrat und Lysat lesen lernen

Die Bezeichnungen Bifida und Galactomyces weisen auf unterschiedliche Mikroorganismen hin: Bifida auf den Zusammenhang mit Bifidobakterien, Galactomyces auf einen Hefepilz. Die Wörter dahinter beschreiben den gewonnenen Bestandteil näher.

Ein Filtrat ist die nach dem Filtern erhaltene Fraktion. Ein Lysat stammt aus aufgeschlossenen Zellen und enthält entsprechende Zellbestandteile. Extract bezeichnet einen Extrakt. Diese Wortteile sind keine Rangfolge von schwach bis stark. Insbesondere steht „Lysat“ nicht für lebende Bakterien.

Die ISAPP beschreibt bei postbiotischen Zubereitungen ausdrücklich inaktivierte Mikroorganismen beziehungsweise deren Bestandteile. Für die wissenschaftliche Bezeichnung gehört ein nachgewiesener Nutzen dazu; ein Ferment oder Lysat wird durch den Namen allein noch nicht automatisch zum belegten Postbiotikum. ISAPP: Was ist ein Postbiotikum?

Du kannst die Begriffe also wie eine kleine Herkunftsnotiz lesen. Für die praktische Frage, ob die Pflege zu dir passt, kommen anschließend Textur, übrige Zutaten und Anwendung dazu.

Sind Fermente automatisch gut fürs Hautmikrobiom?

Das Hautmikrobiom ist ein spannendes Forschungsfeld. Als Kaufversprechen ist „bringt dein Mikrobiom ins Gleichgewicht“ aber deutlich weitreichender als die Aussage „enthält einen Fermentbestandteil“. Lebende Mikroorganismen sind zudem nur dann im wissenschaftlichen Sinn Probiotika, wenn sie in geeigneter Menge einen nachgewiesenen gesundheitlichen Nutzen liefern. ISAPP: Konsensdefinitionen

Für deine Routine brauchst du daraus kein eigenes Mikrobiomprojekt zu machen. Interessant ist zunächst, ob eine Pflege die gewünschte Feuchtigkeit und ein angenehmes Hautgefühl bietet. Eine entsprechende Erfahrung mit einer Creme wäre auch dann wertvoll, wenn du nicht weißt, welcher Anteil davon auf den Fermentkomplex zurückgeht.

Wenn eine Werbung sehr große Effekte verspricht, suche nach Angaben zum geprüften Produkt, zur Vergleichsgruppe und zur Dauer. Ein Rohstoffversuch oder eine Untersuchung mit einer anderen Pflegeserie beantwortet die Frage nach deiner konkreten Creme nur eingeschränkt.

Eine kurze Zutatenliste: Mixsoon Bifida Ferment Essence

Die Mixsoon Bifida Ferment Essence ist ein anschauliches Beispiel für einen wässrigen Pflegeschritt. In der geprüften Herstellerliste stehen Wasser, Butylene Glycol, Bifida Ferment Extract und Glycerin. Damit ist sie weder eine Flasche voller lebender Bakterien noch ein reiner Fermentrohstoff. Mixsoon: Bifida Ferment Essence

Die Essence wird nach der Reinigung und gegebenenfalls nach einem Toner verteilt; anschließend folgt deine Creme. Wenn du dünnflüssige Pflege magst, ist sie ein unkomplizierter Weg, Bifida-Ferment in deiner gewohnten Routine kennenzulernen.

Den Unterschied zwischen diesen Produktnamen erklären wir ausführlicher bei Toner und Essence.

Mehrere Fermente in einer Creme: AXIS-Y

Die AXIS-Y Biome Ultimate Indulging Cream zeigt eine andere Rezepturidee. In den übereinstimmenden Listen von Shop und Hersteller stehen unter anderem Galactomyces Ferment Filtrate, Bifida Ferment Lysate und Lactobacillus Ferment. Dazu kommen Glycerin, Squalan, Ceramide und Cholesterin. AXIS-Y: Biome Ultimate Indulging Cream

Dieses Produkt übernimmt den Cremeschritt. Es wird in passender Menge auf Gesicht und Hals verteilt. Wer eine pflegende Creme sucht, vergleicht hier also etwas anderes als eine dünnflüssige Essence zum Schichten darunter.

Die Rezeptur enthält auch ätherische Öle, darunter Zedern- und Patchouliöl. Wenn du Duftbestandteile gezielt meiden möchtest, gehören diese Angaben genauso in die Entscheidung wie die Fermente. Eine lange Liste interessanter Zutaten macht eine Creme nicht automatisch passender für empfindliche Haut.

Für die Auswahl des Pflegegefühls hilft unser Beitrag über die passende Feuchtigkeitscreme. Für den Einstieg in fermentierte Pflege bietet sich hier die dünnflüssige Essence an; die AXIS-Y-Creme ist interessant, wenn du lieber mit einem Cremeschritt beginnst.

Wie probiere ich fermentierte Pflege aus?

Nimm zunächst ein neues Produkt in deine sonst vertraute Routine auf. Ein überschaubarer Versuch hilft dir, Verträglichkeit und Textur zu beurteilen. Wenn du mehrere Fermentprodukte gleichzeitig beginnst, lässt sich später schwer sagen, welche Veränderung zu welchem Produkt gehört.

Beobachte dabei konkrete Dinge: Fühlt sich die Haut nach dem Auftrag angenehm an? Passt die Pflege unter deine Creme? Bleibt sie auch an gewöhnlichen Tagen unkompliziert? Eine Verpackung mit wissenschaftlich klingenden Begriffen muss sich im Badezimmer denselben alltäglichen Fragen stellen wie jede andere Pflege.

Bewahre das Produkt entsprechend den Packungshinweisen auf und entnimm es sauber. Füge kein Wasser und keine selbst angesetzten Fermente hinzu. Die FDA erklärt, dass nachträgliches Verdünnen die Konservierung beeinträchtigen und Mikroorganismen eintragen kann. FDA: Mikrobiologische Sicherheit von Kosmetik

Wenn dich die Verbindung zu weiteren Pflanzenzutaten interessiert, lies bei Ginseng, Reis und grünem Tee weiter. Unsere Inhaltsstoff-Übersicht hilft dir, das Thema in dein eigentliches Pflegeanliegen einzuordnen.

Was wir sicher wissen

  • Fermentation beschreibt einen Prozess und garantiert keine bestimmte kosmetische Wirkung.
  • Fermentierte Kosmetik enthält nicht automatisch lebende Probiotika.
  • Filtrat, Extrakt und Lysat sind unterschiedliche Bezeichnungen, keine Qualitätsstufen.
  • Die übrige Rezeptur entscheidet mit über Pflegegefühl und Verträglichkeit.
  • Prozentangaben zu Rohstoffen ersetzen keine Prüfung des fertigen Produkts.

Quellen

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